Angebote für Schulen

Demokratie erleben statt nur lernen

Demokratie lernt man nicht durch Wissen allein, sondern durch Erfahrung

Sprechen & Zuhören schafft Räume, in denen Menschen in Schulen einander wirklich begegnen: ohne Bewertung, ohne Debatte, ohne Rechtfertigungsdruck. In einer einfachen, klaren Struktur erleben Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern, wie es sich anfühlt, gehört zu werden und selbst aufmerksam zuzuhören.

Warum das für Schulen wertvoll ist

Schulen sollen demokratische Kompetenzen fördern, sind aber oft von engen Zeitvorgaben, Leistungsdruck und begrenzten Mitgestaltungsmöglichkeiten geprägt. Sprechen & Zuhören eröffnet hier einen besonderen Erfahrungsraum:

  • Demokratie wird erlebbar, nicht nur besprochen.
  • Unterschiedliche Perspektiven dürfen nebeneinander stehen.
  • Jede Stimme zählt, unabhängig von Status, Alter oder Meinung.
  • Zuhören wird als aktive Kompetenz kultiviert.
  • Selbstwirksamkeit, Vertrauen und Gemeinschaft können wachsen.

Was auf den ersten Blick sehr schlicht erscheint, entfaltet oft eine überraschende Wirkung. In einem geschützten Rahmen können so Erfahrungen entstehen von:

  • Verstehen und Verbundenheit
  • Entspannung und Entschleunigung
  • Selbstreflexion und persönlichem Ausdruck
  • gegenseitigem Respekt und Interesse
  • kreativer Zusammenarbeit und gemeinsamer Lösungsfindung

Gerade in Schulen, in denen echte Austauschräume oft Mangelware sind, schafft Sprechen & Zuhören Möglichkeiten für Begegnung jenseits von Rollen, Bewertungen und Leistungsanforderungen. 

Auch und gerade in (Leitungs-)Teams, Kollegien und Arbeitsgruppen hat das Format eine besondere Wirkung für das Miteinander und kann Schulentwicklungsprozesse gleichzeitig entschleunigen und voranbringen. So bietet das Format eine einfache Form der Beteiligung, die Verbindung fördert und alle Beteiligten zu Wort kommen lässt - zum Beispiel bei solchen herausfordernden Themen wie Umgang mit Handys im Unterricht oder der Einrichtung von Gebetsräumen. 

So funktioniert es

Sprechen & Zuhören lässt sich - abgewandelt vom klassischen Leitfaden - sowohl in einer klassischen 45-Minuten-Stunde als auch in offenen Lernsettings einsetzen. Je nach Situation, Schulform und Klassenstufe wurde bereits mit unterschiedlicher Dauer (zum Beispiel eine halbe oder zwei Minuten pro Redebeitrag), Gruppengröße (2 bis x Personen) und Anzahl der Gesprächsrunden (1 bis 3) experimentiert. Auch die Einbettung in ein erlebnispädagogisches Konzept wurde schon erfolgreich ausprobiert. 

Bewährt haben sich Fragen zu Themen, die Zukunftskompetenzen fördern und die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen berühren, zum Beispiel:

  • Wie geht es mir mit dem, was gerade ist?
  • Wie geht es mir im aktuellen Schulsystem?
  • Wie erlebe ich Gemeinschaft, Lernen und Zusammenleben?

Das Format lässt sich ebenso in den Fachunterricht integrieren. Kurze Austauschrunden schaffen persönliche Zugänge zu Unterrichtsinhalten. So erhalten Kinder und Jugendliche mehr Redezeit und erleben die Vielfalt der Perspektiven ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Emotionales Erleben, Reflexion und gemeinsames Lernen stehen dabei im Vordergrund.

Ansprechpartnerin

Tanja Bunzel
Sprechen & Zuhören in Schulen
spre-zu.schulen(at)mehr-demokratie.de

Ansprechpartnerin

Bettina Rabe
Reallabor Bremen
hallo(at)reallabor-bremen.de

 

Tipps für die Anwendung

  • Klein anfangen. Schon eine kurze Austauschrunde verändert das Setting und die Beziehung im Klassenraum.

  • Freiwilligkeit wahren. Schülerinnen und Schüler beteiligen sich besonders dann gerne, wenn Themen gemeinsam gefunden werden und niemand zur Teilnahme gezwungen wird.

  • Mit Irritation und Widerstand rechnen. Ungewohnte Formate lösen zunächst Zurückhaltung aus, das gehört dazu.

  • Mut zum Scheitern haben. Kleine Schritte und die Bereitschaft, auch mal zu scheitern, helfen dabei, kreativ und offen ans Ausprobieren zu gehen.

  • Selbst Erfahrung sammeln. Lehrkräfte und Leitungen profitieren davon, das Format zunächst selbst zu erleben, bevor sie es mit Schülerinnen und Schülern nutzen.

  • Stille zulassen. Pausen und konzentriertes Zuhören werden im oft lauten und beschleunigten Schulalltag als wohltuende Qualität erlebt.

Sprechen & Zuhören wird bereits in Grundschulen, weiterführenden Schulen, berufsbildenden Schulen, Ganztagsteams, Kollegien, Elternabenden und Schulentwicklungsprozessen eingesetzt. Experimentieren lohnt sich!

Praxisbeispiel: S&Z in Schulen in Bremen

Das RealLabor Bremen wendet Sprechen & Zuhören im Rahmen seiner Vision eines „Whole Bremen Approach“ an: Bremen und Bremerhaven werden dabei als lernendes, resilientes Bundesland verstanden, in dem Netzwerke über Sprechen & Zuhören miteinander verbunden werden. Die Idee dahinter: Es braucht etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung, also rund 25.000 Menschen, um einen Wandel-Kipppunkt zu erreichen.

Unterstützt von Kraft des Wir, unter anderem von Margret Rasfeld, Helga Breuninger und Silke Weiß, haben der IDG Hub, t4F und das RealLabor Bremen einen Staffellauf mit Sprechen und Zuhören in Schulen gestartet. Jede Woche geht es in eine andere Schule, mit dem Ziel, 200 Schulen und 5.000 Kinder und Jugendliche zu erreichen.

Fortlaufende Begegnungsräume: Alle 14 Tage finden Sprechen & Zuhören Begegnungsräume im Landesinstitut für Schule, Am Weidedamm, statt. Alle sind willkommen, eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. 

Schulinterne Fortbildungen: Das RealLabor Bremen bietet schulinterne Fortbildungen an, die über das Landesinstitut für Schule (LIS) buchbar sind. 

Mögliche Themen für Gesprächsrunden

Klima · Klimapolitik · Demokratie · Frieden · Krieg · Wehrpflicht · Zukunft · Schule · Gemeinschaft · Verantwortung · Nachhaltigkeit · Geschichte · Gesellschaftlicher Wandel · Positive Zukunftsbilder · Persönliche Herausforderungen · Zusammenleben

Oder: Themen, die die Schülerinnen und Schüler selbst einbringen.

Unsere Erfahrung

Sprechen & Zuhören ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug für eine demokratische Zukunftskultur in Schulen. Es schafft Erfahrungsräume, in denen Menschen sich sehen, hören und ernst nehmen können.

„Ich fühle mich erholt.“ - Teilnehmerin in einer Schule

Vielleicht ist genau das einer der stärksten Hinweise auf die Bedeutung des Dialogformats: Schulen brauchen Orte, an denen Menschen nicht nur lernen und leisten, sondern auch zur Ruhe kommen, sich begegnen und gehört werden.